25 Euro nur für Strom: Warum Internet über Satellit teurer ist als gedacht
12.10.2026 12.10.2026, 14:49 Uhr aktualisiert
Wenn der Videocall ruckelt und das Serienfinale ständig nachlädt, vertröstet das Versprechen auf den „bald kommenden“ Glasfaserausbau kaum. Wer in unterversorgten Regionen wohnt, muss jedoch nicht warten: Satelliteninternet bringt schnelles Netz auch dorthin, wo weder Kabel noch schnelles DSL verfügbar sind. Eine Erdleitung ist dafür überflüssig – nötig sind lediglich eine Außenantenne und ein Tarif, bei dem die Gesamtrechnung aus Grundgebühr, Hardware und Stromverbrauch aufgeht. Warum gerade die Kostenfrage komplexer ist als gedacht, erklären wir weiter unten in unserem Ratgeber.
Statt durch Erdleitungen reisen die Daten hier per Funk durchs All. Eine Antenne am Haus sendet deine Anfrage an einen Satelliten im Orbit, der sie wiederum an eine Bodenstation weiterreicht. Dort speist die Station das Signal ins weltweite Netz ein und schickt die Antwort über denselben Weg retour: Satellit, Hausantenne, heimischer Router.
Im Alltag merkst du von alldem nichts, dein Anschluss funktioniert wie jede gewohnte Internetverbindung: Computer, Fernseher und Smartphones verbinden sich einfach per WLAN oder Netzwerkkabel. Den Rest regelt die Technik draußen an der Hauswand oder auf dem Dach; eine zusätzliche Telefonleitung wird nicht benötigt.
Hardware und versteckte Kosten: Miete, Kauf und Strom
Zur monatlichen Grundgebühr kommt bei Internet über Satellit immer auch die Empfangsanlage. Bei Starlink kostet das Standard-Kit (Antenne, WLAN-Router, Kabel und Standfuß) einmalig rund 349 €. Bei einer Hardwaremiete von etwa 10 € im Monat ist der Kaufpreis nach rund 35 Monaten erreicht – wer den Anschluss nur zur kurzen Überbrückung bis zum Glasfaseranschluss nutzt, fährt mit der Miete günstiger.
skyDSL verlangt für die Miete des Basispakets 4,90 € je Tarifperiode, hinzu kommen einmalig 19,90 € Bereitstellung und 147,60 € Kaution. Beim Mietkauf summieren sich 29 Raten und eine Schlussabrechnung auf mindestens 437,90 € – ohne WLAN-Router, den Nutzer entweder selbst beisteuern oder zusätzlich bezahlen müssen. Besondere Vorsicht gilt bei beworbenen Treuerabatten: Wer vorzeitig aussteigt, muss unter Umständen die Differenz zum regulären Gerätepreis nachzahlen.
Warum Starlink deutlich mehr kostet als 35 €
Ein oft unterschätzter Posten ist der Stromverbrauch. Da Satellitenantennen durchgehend senden und empfangen, ziehen sie vergleichsweise viel Energie. Die aktuelle Starlink-Hardware verbraucht im Schnitt 75 bis 100 Watt. Bei durchgehendem Betrieb summieren sich im Monat rund 54 bis 72 Kilowattstunden, was bei einem Strompreis von 0,35 €/kWh monatlich etwa 19 bis 25 € reinen Stromkosten entspricht. Ein nomineller 35-Euro-Tarif schlägt im echten Alltag inklusive Energie also mit mindestens 55 bis 60 € zu Buche.
Zum Vergleich: Eine Fritzbox von AVM verbraucht je nach Modell im gesamten Jahr nur zwischen 20 und 50 € an Strom.
Starlink vs. skyDSL: Latenz macht den Unterschied
Wie flüssig sich das Surfen anfühlt, hängt nicht allein von den Megabit pro Sekunde ab. Mindestens genauso wichtig ist die Reaktionszeit – die sogenannte Latenz –, also die Spanne zwischen einem Klick und der ersten Reaktion des Servers.
Klassische Anbieter wie skyDSL nutzen geostationäre Satelliten in rund 35.800 Kilometern Höhe. Da sie synchron mit der Erdrotation kreisen, stehen sie scheinbar fest an einem Punkt am Himmel, was die einmalige Ausrichtung deiner Sat-Schüssel erleichtert. Für Funksignale bedeutet das allerdings einen Hin- und Rückweg von über 70.000 Kilometern! Die Folge sind spürbare Verzögerungen von oft 600 Millisekunden und mehr. Online Multiplayer Gaming? Keine Chance.
Starlink setzt dagegen auf Tausende kleine Satelliten in wenigen Hundert Kilometern Höhe - – sie sind so nah, dass man sie mit bloßen Auge nachts sehen kann. Weil diese schnell über den Himmel ziehen, wechselt die Empfangsantenne laufend unterbrechungsfrei zwischen ihnen hin und her. Durch die deutlich kürzere Strecke sinkt die Verzögerung auf alltagstaugliche 25 bis 60 Millisekunden. Dadurch verlaufen Videogespräche ohne störendes Dazwischenreden, und selbst temporeiche Onlinespiele lassen sich problemlos spielen.
Starlink und skyDSL im Tarif-Check
Starlink staffelt seine Privatkundentarife nach Download-Geschwindigkeit und Netzwerk-Priorität, jeweils ohne festes Datenlimit:
Privathaushalt 100: bis zu 100 Mbit/s für 35 € monatlich
Privathaushalt 200: bis zu 200 Mbit/s für 55 € monatlich
Privathaushalt Max: maximal am Standort verfügbares Tempo für 75 € monatlich
Die beiden kleineren Tarife schaltet Starlink allerdings nur in Regionen mit verfügbaren Netzkapazitäten frei. Der Max-Tarif wird im Netzwerk bevorzugt behandelt, garantiert aber ebenfalls keine feste Mindestbandbreite.
skyDSL bietet mit MiniPLUS (bis zu 30 Mbit/s Download, 1 Mbit/s Upload für regulär 27,90 €) und MaxiPLUS (75/6 Mbit/s für regulär 32,90 €, oft rabattiert auf 29,90 €) zwei Einstiegsoptionen. Beide enthalten unbegrenztes Datenvolumen, doch vor allem der Upload des kleinen Tarifs stößt im Homeoffice oder beim Sichern von Fotos sofort an Grenzen.
Beim Preisvergleich lohnt außerdem ein genauer Blick ins Kleingedruckte: skyDSL rechnet in Intervallen von vier Wochen ab, nicht nach Kalendermonaten. Im Lauf eines Jahres fallen dadurch 13 statt 12 Abrechnungsperioden an, was die tatsächlichen Monatskosten spürbar erhöht. Frühere Konkurrenten wie StarDSL, getinternet oder Sat Internet Services haben den Markt derweil längst verlassen, und Konnect bedient hierzulande keine Neukunden mehr im Direktvertrieb.
Alternative zu Internet über Satellit: Mobilfunk mit Außenantenne
Bevor du eine Satellitenschüssel montierst, lohnt sich ein gründlicher Test von LTE und 5G. Dass ein Smartphone oder Router im Wohnzimmer kaum Empfang hat, bedeutet nicht zwingend Funkstille am gesamten Grundstück: Moderne Wärmeschutzfenster und massive Außenwände dämpfen Funksignale enorm ab.
Eine wetterfeste Mobilfunkantenne an der Fassade oder auf dem Dach kann das Signal im Freien abgreifen und per Kabel an den Router im Haus weiterleiten. Alternativ gibt es Outdoor-Router, bei denen Empfangseinheit und Modem wetterfest draußen sitzen und nur ein gewöhnliches Netzwerkkabel ins Haus führt.
Angebote wie die Telekom Speedbox, der Vodafone GigaCube oder der o2 HomeSpot sind in Anschaffung und Betrieb oft spürbar günstiger als Satellitenlösungen – vorausgesetzt, der nächste Funkmast ist nicht chronisch überlastet.
Lässt sich eine vorhandene TV-Satellitenschüssel für Internet nutzen?
Nein. TV-Schüsseln sind reine Empfänger. Für das Internet wird jedoch eine kombinierte Sende- und Empfangseinheit benötigt, die Daten aktiv ins All zurückfunkt. Starlink verlangt zudem zwingend die hauseigene, elektronisch gesteuerte Antenne.
Kann ich die Anlage für Internet über Satellit selbst montieren?
Starlink ist für die Selbstmontage gedacht. Eine Smartphone-App hilft dabei, per Handykamera freie Sichtfelder zum Himmel zu finden, und die Antenne richtet sich weitgehend automatisch aus. Klassische Schüsseln für geostationäre Satelliten müssen dagegen händisch millimetergenau eingemessen werden. Sobald auf dem Dach gearbeitet werden muss oder aufwendige Wanddurchbrüche nötig sind, ist die Beauftragung eines Fachbetriebs sinnvoll.
Wie wetterfest ist Internet über Satellit?
Die Hardware für Internet über Satellit ist wetterfest gebaut, bei extremem Starkregen, dichtem Schneefall oder Hagel kann die Verbindung jedoch vorübergehend abreißen. Für den Winter besitzt Starlink eine integrierte Heizfunktion, die Schnee auf der Antenne abtaut. Bei einem Stromausfall steht allerdings auch das Satellitennetz still – Router und Antenne sind zwingend auf die heimische Stromversorgung angewiesen.
Reicht Satelliteninternet für Homeoffice, Streaming und Gaming?
Streaming von Serien und Filmen läuft auf beiden Systemen reibungslos, weil Video-Apps Puffer nutzen. Für Homeoffice-Videokonferenzen und Online-Gaming eignet sich aufgrund der kurzen Reaktionszeiten von 25 bis 60 Millisekunden jedoch fast ausschließlich Starlink. Bei herkömmlichen Satellitendiensten führt die lange Verzögerung zu störenden Sprechpausen im Gespräch, und Echtzeit-Multiplayer-Spiele sind damit praktisch unspielbar.
Funktioniert Internet über Satellit auch im Wohnmobil?
Ja, aber nur mit speziellen Reisetarifen wie Starlink Roam; reguläre Heimanschlüsse sind an eine feste Adresse gebunden. Für den Campingplatz gilt: Steilwände oder dichte Baumkronen schirmen das Signal ab. Die Antenne benötigt stets eine uneingeschränkte Sichtachse nach oben.
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von
Christopher
Spezialist für Smartphones, Mobilfunk- und Festnetztarife sowie alles rund um IPTV und Streaming. Als Online-Redakteur behält er für die Leser von TARIFFUXX den Durchblick im Tarifdschungel und gibt profunde und praxisnahe Einschätzungen. Er begleitet die Entwicklungen in der Telco-Branche seit mehr als 30 Jahren als Journalist und Moderator.